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Nach Mannschaftsremis ausgeschieden:

Ebringens Erste verkauft sich teuer in der Vorrunde des Deutschen Mannschaftspokals.

Ebringen – SK 1980 Gernsheim (Hessen)     2 : 2  (BW 4,5 : 5,5)

Nach der langen Reise über den Bezirkspokal und den Badischen Mannschaftspokal, in dem man das Finale gegen Bad Mergentheim erreichte, fanden sich die Ebringer Schachcracks einige Monate später in der Vorrunde des Deutschen Mannschaftspokals wieder und hatten im SK Gernsheim eine starke hessische Mannschaft vor der Brust, die an den beiden Spitzenbrettern mit 2 FIDE-Meistern antrat.

Brett 1: Am Spitzenbrett stand Ebringens Michael Schneider schon nach wenigen Zügen vor Böhmischen Dörfern, also einer Figurenkonstellation, die ihm so noch nie begegnet war. Daher musste er die restliche Partie gewissermaßen im Blindflug spielen, da er die Variante einfach nicht kannte. Er geriet mehr und mehr unter Druck, beging in der Folge einen strategischen Fehler und stand dann so schlecht, dass er selbst mit einem Bauernopfer nicht mehr aus der Misere rauskam und seine Partie aufgeben musste: 0:1 für Gernsbach.

Brett 2: Sebastian Raum spielte eine gute Eröffnung und erreichte so eine gute Kontrolle der Brettmitte. Die Dominanz über das Zentrum des Schachbretts ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Partie, das gehört zu den Basics im Schach. Mit einem Bauerndurchbruch schaffte Sebastian seinen Figuren dann den nötigen Raum für ein aktives Spiel und konnte damit seinen Vorteil ausbauen. In der dramatischen Schlussphase mit wenig Bedenkzeit schickte er dann einen gefährlichen Freibauern auf die Reise, den sein Gegner nicht mehr aufhalten konnte. Ein souveräner Sieg für Ebringen: 1:1

Brett 4: Eine rundum ausgeglichene Partie spielte Lutz Grabe, und zwar von Anfang bis Ende. Es gibt solche Partien, in denen sich für beide Seiten keine Chancen entwickeln, entweder weil die Partie zu geschlossen ist oder man ein zu hohes Risiko gehen müsste, um die Stellung aus dem Gleichgewicht zu bringen: 1,5:1,5

Brett 3: Bereits in der Anfangsphase tauschte man die Damen. Für Holger Kaspereit extrem ungewöhnlich, setzt er die Dame doch oft und überzeugend für seine überfallartigen Angriffe ein. Auch positionell stand Holger bald besser, da Schwarz mehrere Bauerninseln zu verteidigen hatte, also isolierte Bauern oder Doppelbauern. Dann übersah er leider eine taktische Finte seines Gegners und fand sich in einer schlechteren Stellung mit Minusbauern wieder. Holger spielte dann eine zu gewagte Fortsetzung mit guten Gewinnchancen für Schwarz, erreichte aber in Zeitnot noch eine Remisstellung, die er auch ins Ziel brachte. Allerdings stand zu diesem Zeitpunkt schon fest, dass dieses Remis die Ebringer Niederlage besiegeln würde: 2:2.

Warum eine Niederlage?

Im Pokal kommt die Berliner Wertung zum Einsatz. Das ist eine Feinwertung, die bei Mannschaftsremisen eingesetzt wird, um jedes Match entscheiden zu können, ohne dass ein Rückkampf nötig wird. In diesem Fall war spielentscheidend, dass der Sieg an Brett 1 Gernsbach 4 Punkte eingebracht hat und Sebastians Sieg an Brett 2 Ebringen nur 3 Punkte. Die Remisen an Brett 3 und 4 konnten diesen 1-Punkte-Vorsprung von Gernsbach durch deren Sieg an Brett 1 nicht mehr ausgleichen. Deshalb ist Ebringen in der Vorrunde des Deutschen Mannschaftspokals ausgeschieden. Trotzdem ist der Ebringer Schachclub stolz auf seine Pokalhelden, haben sie doch die Ebringer Farben auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene würdig vertreten. Für einen kleinen Verein aus einer beschaulichen Weinbaugemeinde eine erstaunliche Leistung.

Der Schachclub Ebringen wünscht allen Ebringern ein gutes, gesundes und friedliches Jahr 2026.

Text: Karl-Peter Kendzia

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